Wäsche im Herbst drinnen trocknen: Energie sparen und Feuchtigkeit im Blick behalten
Wenn die Tage kühler und feuchter werden, lässt sich Wäsche nicht mehr immer zuverlässig im Freien trocknen. Der Wäscheständer wandert deshalb im Herbst häufiger in die Wohnung. Das beeinflusst jedoch auch das Raumklima: Das Wasser, das nach dem Schleudern noch in Kleidung, Handtüchern oder Bettwäsche steckt, gelangt beim Trocknen als Wasserdampf in die Raumluft. Damit keine Schimmelbildung entsteht, muss gut gelüftet und die Luftfeuchtigkeit im Blick behalten werden.
Zusätzlich zu der durch Duschen, Kochen und Atmen entstehende Feuchtigkeit kommt nun noch die des Wäschetrocknens hinzu. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen können durch Duschen, Kochen, Waschen, Atmen und weitere alltägliche Aktivitäten in einem Vier-Personen-Haushalt insgesamt bis zu rund 12 Liter Feuchtigkeit pro Tag an die Raumluft abgegeben werden. Um ein gutes Raumklima zu erhalten und Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden, ist es gerade während der Heizperiode wichtig, zusätzliche Feuchtigkeit gezielt durch Lüften nach außen zu transportieren.
Der erste Schritt beginnt bereits in der Waschmaschine. Je weniger Wasser nach dem Waschgang in den Textilien verbleibt, desto weniger muss anschließend verdunsten. Robuste Textilien sollten daher – soweit Pflegehinweise und Waschmaschine es zulassen – möglichst gut geschleudert werden. Etwa 1.400 Umdrehungen pro Minute können dabei als Orientierung dienen. Das spart auch Energie: Wasser mechanisch aus der Wäsche zu entfernen benötigt weniger Energie, als es später durch Wärme verdunsten zu lassen.
Auch das Aufhängen macht einen Unterschied. Kleidungsstücke sollten möglichst locker und mit etwas Abstand zueinander verteilt werden, damit die Luft zwischen ihnen zirkulieren kann. Heizkörper sollten dabei frei bleiben und nicht mit feuchter Wäsche bedeckt oder durch den Wäscheständer verstellt werden.
Besonders wichtig ist die relative Luftfeuchtigkeit. Das Umweltbundesamt nennt für Wohnräume grundsätzlich einen Bereich von etwa 40 bis 60 Prozent als Orientierung. Ein einfaches Hygrometer hilft dabei, die Entwicklung der Raumfeuchtigkeit beim Wäschetrocknen zu beobachten. In schlecht gedämmten Gebäuden kann im Winter allerdings auch eine niedrigere Luftfeuchtigkeit erforderlich sein, da kalte Wandoberflächen die Schimmelbildung begünstigen können.
Für das Trocknen in der Wohnung helfen einige einfache Maßnahmen:
- Gut schleudern: Je weniger Restfeuchte in der Wäsche verbleibt, desto geringer ist der anschließende Trocknungsaufwand.
- Locker aufhängen: Zwischen den Wäschestücken ausreichend Abstand lassen, damit die Luft zirkulieren kann.
- Luftfeuchtigkeit kontrollieren: Mit einem Hygrometer lässt sich der Orientierungsbereich von etwa 40–60 % einfach im Blick behalten.
- Gezielt lüften: Beim Wäschetrocknen in der Wohnung empfiehlt das Umweltbundesamt in der kalten Jahreszeit etwa 5–10 Minuten Stoßlüften. Wenn möglich, beschleunigt Querlüften den Luftaustausch zusätzlich.
- Heizkörper freihalten: Wäsche nicht direkt auf Heizkörper legen und deren Wärmeabgabe nicht durch einen Wäscheständer behindern.
- Kühlere Räume abtrennen: Feuchtwarme Luft möglichst nicht in deutlich kühlere Räume gelangen lassen, da dort das Risiko für Feuchtigkeit an kalten Oberflächen steigt.
Auch an kühlen Herbsttagen kann Stoßlüften wirksam sein. Kalte Außenluft enthält häufig weniger Wasserdampf als warme Raumluft. Wird sie nach dem Lüften im Raum erwärmt, sinkt ihre relative Luftfeuchtigkeit und sie kann wieder Feuchtigkeit aufnehmen. Ein kurzer, kräftiger Luftaustausch ist deshalb häufig sinnvoller als dauerhaft gekippte Fenster.
Wer die Möglichkeit hat, sollte prüfen, ob die Wäsche im Freien oder in einem unbeheizten, gut belüfteten Raum trocknen kann. Beim Trocknen innerhalb der Wohnung muss jedoch die zusätzliche Feuchtigkeit anschließend durch ausreichendes Lüften abgeführt werden.
Ist das nicht praktikabel, kann ein Wäschetrockner eine Alternative sein. Dabei gibt es deutliche Unterschiede beim Stromverbrauch: co2online nennt als Beispiel etwa 1 kWh pro Trockengang bei einem sparsamen Gerät gegenüber rund 3 kWh bei einem ineffizienten Modell. Moderne Wärmepumpentrockner nutzen einen Teil der Wärme im Trocknungsprozess erneut und benötigen dadurch deutlich weniger Strom als viele ältere Geräte. Wer einen Trockner nutzt, kann zusätzlich Energie sparen, indem die Wäsche vorher gut geschleudert, die Trommel sinnvoll ausgelastet, Filter regelmäßig gereinigt und die Wäsche nur so weit wie nötig getrocknet wird.
Eine pauschale Antwort auf die Frage „Wäscheständer oder Trockner?“ gibt es daher nicht. Der Wäscheständer benötigt keinen Strom für den eigentlichen Trocknungsvorgang, setzt in Innenräumen aber ein gutes Feuchtemanagement voraus. Ein Trockner benötigt elektrische Energie, kann jedoch dort eine praktische Alternative sein, wo geeignete Trockenmöglichkeiten fehlen.
Entscheidend ist letztlich das Zusammenspiel: gut schleudern, Wäsche locker aufhängen, Luftfeuchtigkeit beobachten und bedarfsgerecht stoßlüften. So lässt sich Wäsche auch im Herbst drinnen trocknen, ohne Energieverbrauch und Raumklima aus dem Blick zu verlieren.